Blog a Day #31 – Österreich

Für den Abschluss meines Blog a Day Projekts habe ich mir ein besonderes Thema ausgesucht: Österreich.

Heute ist für Österreich ein großer Tag: Nationalfeiertag, wir feiern unsere Neutralität.

Wenn ich mir die Schlagzeilen der großen Zeitungen ansehe, frage ich mich nur welche Neutralität?

Ich spreche jetzt nicht einmal von Krone und Österreich, sondern von Zeitungen im Format der Presse.

Da unterstützt der Chefredakteur Michael Fleischhacker lautstark die Aussagen von Thilo Sarrazin, der die Migrationspolitik Berlins folgendermaßen kritisierte:

„Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin.“

Inwieweit diese Aussagen der Realität entsprechen, will ich gar nicht thematisiern, aber diesen populistischen Schwachsinn, jetzt als die große politische Offenbarung zu sehen, ist einfach lächerlich.

Und genau das ist bezeichnend für Österreich: wenn jemand etwas nur provokant und laut genug in die Welt schreit, so realitätsfern es auch sein mag, wird er von der breiten Masse unterstützt.
Das erklärt auch den Erfolg eines HC Strache, der ein Ausländerproblem herbeibrüllt, das es nicht gibt.
Es gibt ein Integrationsproblem, ja. Aber das liegt definitiv nicht alleine an den „Ausländern“.
Alleine schon an der Differenzierung zwischen „Ausländer“ und Staatsbürger scheitert es schon bei den rechten Parteien.
Wenn es dann auch noch darum geht zwischen integrieren und assimilieren zu unterscheiden, steigt der werte Herr Strache komplett aus.

Dass der Ausländeranteil in Österreich einen geschichtlichen Ursprung haben könnte, darauf kommen die rechten Recken natürlich nicht.
Habsburger Monarchie und Vielvölkerstaat sind Fremdwörter, erst ab dem 3. Reich hat man in der Schule aufgepasst.

Aber es sind nicht alleine die FPÖ und das BZÖ Schuld an der derzeitigen Lage, die Hauptschuld liegt bei den großen Parteien, die, im irrsinnigen Glauben dadurch Stimmen zu gewinnen, mit dem rechten Rand liebäugeln.

Der Erfolg eines HC Strache beruht nicht auf dessen Messages, sondern viel mehr auf der Art wie er sie rüberbringt.
Einfach, auf den Punkt, das was „das Volk“ hören möchte.
Natürlich funktioniert das nur weil er a) in der Opposition befindet und b) eine populistische Rechtspartei anführt.

Und daran scheitern vor allem die Sozialdemokraten: sie können Probleme nicht so sinnbefreit auf das Simpelste herunterbrechen ohne dabei lächerlich und gestellt zu wirken.
Man spielt der FPÖ damit nur in die Hände, die mit einem  Faymann-Kasperl und seiner Clowns-Truppe natürlich leichtes Spiel hat.

Das Beste, das den Sozialdemokraten in Österreich passieren könnte, wären natürlich 5 Jahre Strache als Bundeskanzler, der sich und den Staat damit auf Ewigkeit demontieren würde, was, wie nach der letzten Schwarz-Blauen Koalition in einer Spaltung der FPÖ enden würde, die sie nicht mehr überleben würde.

Aber der Imageschaden, den Österreich davontragen würde, wäre nicht einfach wiedergutzumachen.
Nach Haider ein Strache wäre ein gefundenes Fressen für die internationalen Medien.

Derzeit, mit jemandem wie Martin Graf als 3. Nationalratspräsidenten, ist die Bezeichnung Nazi-Österreich durchaus rechtzufertigen.

Kaum ein Land hat einen so ungerechtfertigten Nationalstolz vorzuweisen wie Österreich.

Worauf sind wir stolz?

Auf die schöne Landschaft? – Typisch österreichisch: Stolz sein auf etwas zu dem man überhaupt nichts beigetragen hat.

Auf die österreichische Küche? – Zusammengestohlen aus allen Provinzen der Habsburgermonarchie.

Auf die österreichische Kultur? – Darum wird jemand wie Thomas Bernhard als Nestbeschmutzer beschimpft.

Und zuletzt: auf unsere Neutralität? – Siehe oben.
Unser Weg war steinig und lang, und wir haben nichts dazugelernt.

Damit wünsche ich Ihnen, liebe Österreicher und Innen, einen schönen und besinnlichen Nationalfeiertag.

Update:

Natürlich gibt es auch gute Journalisten in Österreich, und einer feiert dieser Tage sein Jubiläum, und zwar Robert Misik hat die 100. Folge seiner Serie FS Misik veröffentlicht, und ich möchte ihm auf diesem Weg gratulieren.

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~ von themxm - Oktober 26, 2009.

Eine Antwort to “Blog a Day #31 – Österreich”

  1. Wenn ich nichtmal auf unsere Landschaft stolz sein darf weil „wir dazu nichts beigetragen“ haben, auf was darf ich dann überhaupt stolz sein? Dann darf ich doch nur auf mich stolz sein, wenn ich dazu beigetragen habe, aber nicht auf dich und deinen Blog das du es so genau auf den Punkt bringst! Eigentlich schade 😦

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